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Guerilla Gardening im Pott

Frühjahrsputz – Dig an der St. Judas Thaddäus Kirche März 3, 2013

Die Temperaturen steigen, das Wetter wird besser und die Sonne lässt immer noch auf sich warten… Trotzdem oder gerade deswegen war es heute Zeit ein paar Farben in das triste Grau der Stadt zu bringen. Ziel meiner Aktion war mal wieder die St. Judas Thaddäus Kirche, schließlich komme ich hier immer gerne hin und deshalb war dies genau der richtige Ort um die Guerilla-Gardening-Saison einzuläuten.

Kurzentschlossen habe ich heute morgen noch Blumen und Erde eingekauft und bin nach dem Mittagessen zum Kirchplatz gefahren. Erstmal galt es Unkraut, Müll und Rindenmulch aus dem vergangenen Jahr zu entfernen, anschließend konnte ich die Pflanzkübel mit Erde auffüllen. Mit vorgezogenen Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und Stiefmütterchen habe ich die wieder hergestellten Beete bepflanzt, so dass farbenfrohe Blütenexplosionen für den Frühling zu erwarten sind. Zum Abschluss noch alles gegossen, etwas sauber gemacht und den ganzen Müll wieder mitgenommen. Somit kann die Sonne jetzt kommen und den Rest übernehmen…

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Politisches Gärtnern in Duisburg August 28, 2012

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Als gebürtiger Duisburger verfolge ich auch fern der Heimat immer noch die lokalen Nachrichten, insbesondere im Bereich der Stadtentwicklung. Was mich dann doch letztens überrascht hat, war ein Artikel in der WAZ mit der Überschrift „Guerilla-Gärtner bekämpfen Grau am Duisburger Hauptbahnhof„. Sichtlich interessiert begann ich zu lesen. Der Artikel handelte von Guerilla-Gärtnern, die in einer nächtlichen Aktion den abgesperrten und ungestalteten Bahnhofsvorplatz begrünt haben. Kurz als Hintergrundinfo zum Bahnhofsvorplatz – kurz „Platte“. Die Platte ist ein 300 m langer Deckel über die A59, die hier die Stadt durchschneidet. Hier sollte nach Abschluss der Arbeiten ein neues Eingangstor zur Duisburger Innenstadt entstehen. Allerdings geschah lange nichts. Insgesamt 550 Tage ging es nicht voran und die Platte lag als riesige Brache zwischen Bahnhof und Duisburger City. Hintergrund für den Stillstand sind vor allem Planungsfehler. Die Planungskosten für eine Gestaltung beziffern sich auf ca. 200.000 €, das Auftragsvolumen war falsch kalkuliert und es konnte im Bieterverfahren kein Bewerber für die Realisierung der Planung gefunden werden. In einer WAZ-Umfrage wählten die Duisburger die Platte mit 52% zur größten Problem-Baustelle der Stadt. Zurück zur Guerilla-Aktion: Auf der aus beton gegossenen Platte wurde Rollrasen verlegt und eingetopfte Blumen aufgestellt. Das Ergebnis symbolisierte das Rathaus und hatte ein ganz bestimmtes Ziel und das hat es auch erreicht. Es sollte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Missstände am Duisburger Hauptbahnhof lenken! Somit ist allerdings die – durch die WAZ getroffene – Aussage, es handele sich um Guerilla Gardening nicht richtig. Der Irrtum ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da es nur einen sehr kleinen Unterschied zwischen dem Guerilla Gardening und dem in diesen Fall durchgeführten politischen Gärtnern gibt. Aber wo liegt dieser Unterschied?

Bei politischem Gärtnern geht es nicht nur um das Gärtnern, „sondern darum, in alternativen Projekten weltweit jenseits des globalen Neoliberalismus selbstständig und kollektiv die Umwelt und die Gesellschaft zu gestalten“ (Website Eine andere Welt ist pflanzbar). Politische Gartenaktionen versuchen mehr zu erreichen, als persönliche Ziele zu befriedigen. Sie versuchen politische Botschaften zu transportieren. Ein (…) Beispiel für politisches Gärtnern fand im Rahmen der Protestaktionen zum Projekt Stuttgart 21 am 30.10.2010 statt. Vier Wochen nachdem im Schlossgarten die ersten 25 Bäume gefällt wurden, um Platz für den neuen Stuttgarter Bahnhof zu schaffen, bepflanzten 26 Aktivisten der Umweltorganisation Robin Wood und der Initiative Parkschützer die Baustelle mit neuen Bäumen. Die jungen Platanen, Eschen und Spitzahornbäume sollten eine Wiedergutmachung und eine symbolische Wiederbegrünung darstellen. (Quelle: Mit Spaten, Pflanzen und Visionen – Guerilla Gardening als Nutzung von Brachflächen)

Um politisches Gärtner handelte es sich dann tatsächlich im doppeltem Sinne, denn einige Tage nach der Aktion wurde bekannt, dass diese Aktion durch die Duisburger Grünen initiiert war. Alles in allem ist positiv zu bewerten, dass diese Aktion zur rechten Zeit (wenige Tage vor der Oberbürgermeister-Wahl) den Fokus auf einen sehr vernachlässigten Ort gelenkt hat. Kurz nach seiner Wahl hat der neue OB Sören Link (SPD) mit dem ebenfalls noch neuen Planungsdezernenten Carsten Tum medienwirksam das „Gewürge“ um die Platte beendet und angefangen eine kostengünstige Zwischenlösung zu schaffen. Die aktuellen Planungen werden verworfen, eine endgültige Neugestaltung ist für 2014 angestrebt. Hierbei wird viel Wert auf die Einbeziehung der Duisburger Bürger gelegt. So kann jeder Interessierte seine Vorschläge und Ideen noch bis Ende des Jahres bei der Stadt Duisburg einreichen – ein Weg, den auch ich noch gehen werde. Die ersten Ideen sind bereits bei der Stadtplanungsabteilung eingegangen und werden ernst genommen. Alle eingereichten Ideen werden gesichtet und Ende des Jahres bei geplanten Workshops vorgestellt. Carsten Tum unterstrich in diesem Zusammenhang nochmals, wie wichtig die Bürgerbeteiligung bei der Neuplanung ist.

Auch wenn es sich hier um das dem Guerilla Gardening artverwandte politische Gärtnern handelte, wurde sehr deutlich, was durch solche Aktionen möglich ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich auch in anderen Städte auf anderen Problem-Baustellen ein paar engagierte Gärtner finden, um den Blick der Öffentlichkeit durch Blumen einzufangen und Missstände damit aufzuzeigen! Auch wenn von den Pflanzen nicht mehr viel übrig war bei meinem letzten Besuch, kann man nur hoffen, dass die Ideen für die Platte nach dieser Aktion sprießen…