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Guerilla Gardening im Pott

Ein Hilfe-Schrei – Kölner Gemeinschaftsgarten vor der Räumung August 5, 2011

Filed under: Uncategorized — gartenstadt2punkt0 @ 10:48 am

Hallo Gärtner und Garten-Interessierte…

Heute hat mich eine Mail aus Köln erreicht (gehört zwar nicht zum Ruhrgebiet, aber man soll ja über den Tellerrand gucken), die mich in ihrem Anliegen sowohl an die Inhalte meines Buchs, als auch an das Schicksal des Rosa Rose Gartens in Berlin erinnert hat. Das Projekt „Pflanzstelle“ ist ein Gemeinschaftsgarten in Köln-Kalk, der mobil, interkulturell und für alle offen ist. Eigentlich ein Vorzeigeprojekt… Die Stadt sieht das wohl anders und unterstützt einen Investor anstatt der Gärtner! Woran das nur liegen mag? Aber lest bitte selbst:

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit ca. einem Monat haben Kölner und insbesondere Kalker Bürgerinnen und Bürger das seit langem brachliegende Gelände in der Neuerburgstraße in einen mobilen Gemeinschaftsgarten verwandelt. Doch wo nun Gemüse wächst und blühende Vielfalt immer mehr Menschen zum Gärtnern und Verweilen einlädt, soll bald wieder Ödniss herrschen. Das Liegenschaftsamt der Stadt Köln fordert eine Räumung des Geländes innerhalb von sieben Tagen um anschließend zu Roden und zu Planieren. Wie es dazu kam: Nach einem mehrmonatigen Verhandlungsmarathon zwischen dem jungen Verein grenzenlos gärten e.V. und der Stadt Köln sah sich die Stadt nicht in der Lage dem gemeinnützigen Verein ein Gelände für das von der EU geförderte Projekt zu verpachten. Dies scheiterte vor allem an den nicht klaren Zuständigkeiten innerhalb der Ämter sowie dem nicht geklärten Nutzungsverhältnis zwischen dem Schauspiel Köln und der Stadt.

Das Projekt pflanzstelle thematisiert ausdrücklich die Zwischennutzung von innerstädtischen Brachflächen, was in der Neuerburgstraße für diesen Sommer gegeben wäre. Trotz der Duldung durch das Schauspielhaus droht die Stadt nun mit einer nicht zumutbaren Räumungsfrist. Dies konfrontiert das auf Spenden basierende Projekt und die kurz vor der Ernte stehenden Pflanzen mit einer schwierigen Situation. Die sich widersprechenden Aussagen der Stadt bieten zudem kaum Verhandlungsspielraum.

Dazu Julian Brenner von grenzenlos gärten e.V.:„Trotz der vielerorts bekannten Probleme bei Zwischennutzungsanträgen für Brachflächen und der Erfolgsgeschichte der mobilen „Prinzessinnengärten“ in Berlin zeigt sich leider, daß die Stadt Köln nicht flexibel auf junge Projekte reagiert oder offen für eine ökologische Aufwertung von Industriebrachen ist. Wir finden diese Situation äußerst bedauerlich und wünschen uns klare Zuständigkeiten und einen Mietvertrag für diesen Sommer.“

Die pflanzstelle ist ein mobiler, interkultureller und öffentlicher Gemeinschaftsgarten in der Stadt. Gemeinsam mit Freiwilligen und Interessierten wird auf dem Gelände in der Neuerburgstraße seit Juli Gemüse in transportablen Pflanzmodulen angebaut . Dadurch ist der Garten mobil und kann auch auf versiegelten oder belasteten Flächen wie auf Parkhausdächern, in alten Industriehallen oder auf einer der zahlreichen Brachflächen im Stadtgebiet grüne Oasen schaffen. Der Garten ist öffentlich zugänglich und verfolgt ein anderes Konzept als die Schrebergärten. Diese Form des Gartens schafft eine offene Begegnungsstätte, die zum gemeinsamen Gärtnern, Zeit verbringen, Austausch, Lernen und Essen einlädt. Durch Gartenbauaktionen, eine “Gartensprechstunde” sowie Bildungs- und Kulturangebote werden  unterschiedliche Menschen über gesellschaftliche Grenzen hinweg aktiv in den Garten eingebunden. So können Familien ihren Kindern die Natur näher bringen ohne weit fahren zu müssen. Senioren und Rollstuhlfahrer haben es durch die Hochbeete leichter. Und Gärtnerinnen und Gärtner ohne eigenen Garten können hier kostenlos ihrem Hobby nachgehen.

Ökologisches Bewusstsein und Wissen werden im Garten fast beiläufig vermittelt und eine gemeinschaftliche Verbindung zwischen Menschen und urbaner Umwelt geschaffen. Der Garten bietet den Ort dieses direkt und konkret im Kleinen auszuprobieren. Der junge Verein grenzenlos gärten e.V. ist gemeinnützig und thematisiert sozio-kulturelle und ökologische Landwirtschaft in der Stadt. Die Investitionskosten des Projekts wurden mit Unterstützung der Europäischen Union, durch das Programm JUGEND IN AKTION, finanziert. Spenden jeglicher Art – von Geld über Sachspenden wie Muttererde oder eben die Beteiligung an der Arbeit – sind sehr willkommen.

Die pflanzstelle freut sich auf interessierte Gärtnerinnen und Gärtner und solche die es werden wollen – jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag von 14:00 – 21:00 Uhr. Momentan noch in der Neuerburgstraße in Köln-Kalk.

Trotz der aussichtslosen Situation lädt die pflanzstelle weiterhin ganz herzlich zur Garteneröffnungsfeier am 13. August ein. Neben Angeboten für Kinder, darf ab 14:00 Uhr gebastelt und gepflanzt werden und anschließend  wird gemeinsam gegrillt. Wo das stattfindet hängt von den Entwicklungen der nächsten Tage ab und wird auf unserer Website einzusehen sein.

(hoffnungsvolle) Grüne Grüße

Eure Pflanzstelle

http://pflanzstelle.tk/

Pflanzstelle@riseup.info

grenzenlosgaerten@gmx.de

Twitter: #pflanzstelle

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