gartenstadt2punkt0

Guerilla Gardening im Pott

Der Begriff Guerilla Gardening! November 23, 2010

Ich muss sagen, es reizt mich schon seit Wochen einen Beitrag über den Begriff Guerilla Gardening zu schreiben, genauer gesagt seit dem ich in Berlin war! Ich habe nicht nur Community Gardens besucht, ich habe auch die Gelegenheit genutzt mit Gärtnern zu sprechen, die schon viel länger als ich aktiv sind. In diesen Gesprächen hat ein Punkt immer wieder zu Diskussionen geführt: Der Begriff Guerilla Gardening! Eigentlich das Wort Guerilla in Guerilla Gardening. Back from Berlin habe ich mich also auf die Suche nach der Herkunft dieses Begriffes gemacht, das Problem mit ihm analysiert und letztendlich möchte ich hier revolutionär einen neuen Begriff vorschlagen und ich bitte euch mit mir diesen neuen Begriff zu diskutieren, aber ihr könnt auch eure Meinung zu allem anderen abgeben 😉

Guerilla Gardening hat genau genommen zwei Ursprünge. Der erste liegt in den 1970ern in New York, der zweite im London nach der Jahrtausendwende. Ein Gruppe von Gärtnern um die Künstlerin Liz Christy ist bekannt geworden als die Green Guerillas. Diese Gruppe hat verwahrloste Brachflächen in New York in jahrelanger Arbeit in blühende Gärten verwandelt, von denen heute noch einige bestehen und unter dem Schutz des New York City Departments for Parks & Recreation stehen. 2000 ist der Begriff in London im Zusammenhang mit einer 1. Mai Demonstration auf Flyern und Plakaten aufgetaucht. Auch wenn diese Aktion damals nicht wirklich Guerilla Gardening war, haben sie doch diesen Namen publiziert. Nur 4 Jahre später registrierte Richard Reynolds seinen Blog unter der Domain guerrillagardening.org, allerdings aus einem völlig anderen Zusammenhang heraus. Aus der Werbebranche kommend lehnte sich Reynolds damit an den Begriff Guerrilla Advertisement an, wobei der Zusatz ‚Guerrilla‘ lediglich einen Hauch Illegalität und Überraschung vermittelt. Wie genau dieser Begriff sich durchgesetzt hat, ist leider nicht eindeutig nachzuvollziehen.

Guerrilla, spanisch, bedeutet Kleinkrieg und steht für eine gewisse Art Kampfhandlung, für die Gruppen, die so kämpfen, sowie für die einzelnen Kämpfer. Somit ist auch die Konnotation von Guerilla, zumindest in Deutschland, eine sehr kämpferische und kriegerische, weshalb der Begriff von vielen als negativ beschrieben wird. Guerilla Gärtner mit denen ich gesprochen habe lehnen den Begriff ab und versuchen für ihre Aktionen ein anderes Wort zu finden. Zu dieser Haltung trägt auch die Darstellung in den Medien entscheidend bei. Diese projizieren das Bild von maskierten, Samenbomben werfenden Revolutionären um es dann wieder zu verharmlosen, weil wir ja doch nur Gärtner sind. Und ja, ich habe auch schon maskiert gearbeitet, hauptsächlich weil ich versucht habe herauszufinden, wie darauf reagiert wird, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls bin ich im Bereich meiner Recherche tatsächlich auf einen Begriff gestoßen, der im Grunde das Handeln eines Guerilla Gärtners beschreibt, aber noch zu offen ist. Der Begriff ist Urban Pioneers, geprägt durch das gleichnamige Buch und diese Pioniere werden wie folgt beschrieben: „Raumpioniere entdecken aufgelassene Ort neu, vitalisieren vorhandene Ressourcen und passen sich flexibel den gegebenen Umständen an. Vergleichbar mit Pionierpflanzen haben sie keine besonderen Ansprüche an einen Ort. Wichtiger als ein aufwendig ausgestattetes Umfeld sind ihnen geringe Kosten und de Möglichkeit, sich Räume anzueignen und durch persönliches Engagement selbst zu gestalten.“ (Urban Pioneers 2007, S. 36) Um das ganze auf eine gärtnerische Ebene zu holen muss man eigentlich nur das ‚Urban‘ durch ‚Garden‘ ersetzen: Garden Pioneers !!! Ein großer Vorteil an diesem englischen Namen ist, dass er international verwendbar ist. Zudem bedeutet Pioneer Vorreiter und genau das sind wir doch, Vorreiter auf dem Weg die Welt zu verbessern!

 

Was macht man gegen Kaninchen? November 13, 2010

Filed under: Uncategorized — gartenstadt2punkt0 @ 12:54 pm

Das ist mal ne Frage, die mir wohl kaum einer so wirklich leicht beantworten kann… Wie ihr ja gesehen habt, war ich die letzte Woche in Berlin und bin deshalb jetzt erst dazu gekommen, meine beiden Wildgärtner-Aktionen in Duisburg wieder ins Auge zu fassen. Die an der Kirche macht sich weiterhin gut, es wird langsam Zeit das Gras zu schneiden, das ich gepflanzt habe, damit es nächstes Jahr wieder kommen kann, aber sonst sieht es weiterhin recht gut aus. Als ich allerdings gestern bei der Fläche auf der Kaiserswerther Straße vorbeigeschaut habe, musst ich leider feststellen, dass wirklich alles was ich gepflanzt hatte abgefressen war. Ich habe bereits vor einigen Wochen festgestellt, dass ein Kaninchen den Astern nicht widerstehen konnte, aber gut, solche Verluste muss man in Kauf nehmen. Aber gestern war wirklich alles bis zur Wurzel abgefressen. Erika, Chrysanthemen, Lavendel, alles. Das ärgert mich natürlich, aber ich habe auch nicht die geringste Idee, was ich dagegen machen soll. Gut, einen Zaun bauen wäre eine Idee, aber wie hoch soll der Zaun denn sein und was sieht man noch dann von den Pflanzen? Jedenfalls sprach mich, während ich den Verlust begutachtete, die Anwohnerin mit dem Hund von dem Abend der Pflanzaktion an. Ich war erstmal positiv überrascht, dass sie mich überhaupt wiedererkannt hatte und zudem auch noch die ganze Zeit ein Auge auf den kleinen Grünsteifen geworfen hatte. Zumindest haben wir uns dann über das Problem an sich unterhalten, welches in dem anliegenden Naturschutzgebiet besteht. Jetzt ist das Naturschutzgebiet selber natürlich nicht das Problem, sondern dass vor ca. 5 Jahren ein anliegender Bereich bebaut worden ist, wodurch die dort sehr verbreiteten Kaninchen massiv an Lebensraum verloren haben. Im Zuge der Baumaßnahmen war im Wohngebiet ein massiver Anstieg an Schäden durch Kaninchen festzustellen… Jetzt braucht man wohl nur noch 1 und 1 zusammen zu zählen! Kann ich den Kaninchen jetzt böse sein, dass sie sich über meine Pflanzen hergemacht haben? Nein, eigentlich nicht, denn ich habe den öffentlichen Raum bepflanzt und der gehört bekanntermaßen jedem! Aber dazu später mal mehr… Letztendlich hat mir aber die nette Frau noch Hoffnungen gemacht, dass die Kaninchen in der Regel nicht an im Frühjahr blühende Blumen wie Tulpen oder Narzissen gehen, jetzt bin ich mal gespannt was im Frühjahr passiert 😉

 

Community Buddeln! Gärtnern in einer Gemeinschaft November 3, 2010

Filed under: Uncategorized — gartenstadt2punkt0 @ 9:25 am

Guten Morgen lieber Leser,

ich sitze in Berlin in meinem Hostel und warte grade auf mein Frühstück und dachte mir, dass ich euch doch ein bißchen an meiner Reise in die Hauptstadt teilhaben lassen kann 😉 Also gestern bin ich erstmal zum Fernsehturm gefa… Nein, ich schreib jetzt etwas, was wirklich interessant ist!

In Berlin gibt es an und für sich eine große Guerilla-Szene, größer als bei uns im Ruhrpott, und es machen hier einfach nicht nur viel mehr Leute etwas für eine andere, bessere Umwelt, auch die Art wie sie es machen unterscheidet sich von dem, was ich bisher im Pott kennengelernt habe. Ich habe gestern drei Gemeinschaftsgärten besucht, den Rosa Rose Garten, den Ton, Steine, Gärten sowie den Prinzessinengarten. Community Gardening ist zwar nicht gleich Guerilla Gardening, kann es aber sein. So war zumindest die Rosa Rose lange Zeit ein großer Guerilla Garten, dessen Grundlage, das Grundstück, allerdings vor 2 Jahren von einem Investor gekauft wurde. Die Rosa Rosen mussten umziehen und sind inzwischen in der Jessnerstraße angekommen und versuchen dort einen neuen, schönen Garten erblühen zu lassen. Es gibt inzwischen auch Gespräche mit der Stadt über einen Nutzungsvertrag für die neue Gartenfläche. Ich hab mir den neuen Garten angesehen und finde es sehr cool, dass es möglich ist so viele Leute für die gleiche Sache zu gewinnen. Das ist auch der größte Unterschied zum Gärtnern im Ruhrgebiet, dass das Ausleben der eigenen Gärtnerlust, auch ohne Garten, noch nicht so bei uns angekommen ist…

Ein weitere Unterschied im Bezug auf Guerilla Gärten ist, dass die hier besuchten Gärten viel mehr auf eine Selbstversorgung abzielen. Die Gärtner ziehen gezielt Kohl, Spinat und anderes Gemüse für den eigenen Bedarf. Dies ist mir zwar nicht wirklich neu im Bezug auf Guerilla Gardening, allerdings hab ich das bei mir noch nicht entdecken können. Ich frage mich, woran das liegt. Spielt Ernährungssouveränität hier generell eine größere Rolle oder sind wir einfach noch nicht so weit den Schritt vom „Ich verbessere die Welt“ zum „Ich nutze meine Weltverbesserung für mich“ zu machen? Mehr noch, ist es nicht sogar erforderlich, dass wir diesen Schritt machen, denn Urban Agriculture  ist ein wichtiger Schritt Richtung Nachhaltigkeit… So verbleibe ich mit einem Zitat aus dem Ton, Steine, Gärten: „Eine andere Welt ist pflanzbar…“